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Preußische Nummernstempel
Bereits vor dem ersten Gültigkeitstag, 15. November 1850, der preußischen Freimarken, wurden die Postanstalten mit Nummernstempel zur Entwertung der Freimarken beliefert. Jede Postanstalt bekam eine eigene Nummer, welche sich aus der alphabetischen Reihenfolge der Postanstalten ergab.
Die Postanstalt Schmalleningken im Memelgebiet erhielt am 15.11.1850 den preußischen Nummernstempel 1338.

Ganzsache U2A zu 2 Sr nach Königsberg mit Nummernstempel 1338
Preußische Nummernstempel im Memelgebiet

Quelle: Witold Fugalewitsch, "Poststempel in Litauen", 1990
deutsche Bezeichnung |
litauische Bezeichnung |
Nummernstempel |
Bemerkung |
Bezirk |
Heydekrug |
Šilute |
625 |
Stempel seit 15.11.1850 |
Gumbinnen |
Laugszargen |
Lauksargiai |
813 |
Stempel seit 15.11.1850 |
" |
Memel |
Klaipėda |
931 |
Stempel seit 15.11.1850 |
Königsbergt |
Coadjuthen |
Katyčiai |
1104 |
eröffnet 15.08.1855 |
Königsberg |
Prökuls |
Priekulė |
1170 |
Stempel seit 15.11.1850 |
Königsberg |
Ruß |
Rusnė |
1278 |
Stempel seit 15.11.1850 |
Gumbinnen |
Schmalleningken |
Smalininkai |
1338 |
Stempel seit 15.11.1850 |
" |
Szameitkehmen |
Žemaitkiemis |
1474 |
Stempel seit 15.11.1850 |
" |
Werdenberg * |
Verdainė |
1607 |
Stempel seit 15.11.1850 |
" |
Willkischken |
Vilkyškiai |
1643 |
Stempel seit 15.11.1850 |
" |
Wischwill |
Viešvilė |
1652 |
Stempel seit 15.11.1850 |
" |
Nidden |
Nida |
1729 |
eröffnet 01.05.1851 |
Königsberg |
Kinten |
Kintai |
1806 |
eröffnet 01.09.1855 |
" |
Schimonken |
Piktupenai |
1869 |
eröffnet 08.10.1858 |
" |
Saugen |
Saugos |
1929 |
eröffnet seit 01.07.1857 |
" |
Plaschken |
Plaškiai |
1958 |
eröffnet 01.03.1858 |
" |
Deutsch- |
Kretinga |
1971 |
eröffnet 10.04.1858 |
" |
* geschlossen 04.10.1853
Quelle: Šilutės paštas; Z. Steponavicius; Kaunas 1998
Eine Reise über die Kurische Nehrung 1829
oder
Restbelege einer Reisekostenabrechnung
Dr. Christoph von Lindeiner
Es ist interessant, was sich an Reisekostenbelegen auch noch nach fast 180 Jahren und diversen Kriegen manchmal findet.
Im November 1829 reiste der Kammerherr Renken/Renkann über die Kurische Nehrung über Memel und Immersatt gen Nordosten. Er hatte es offensichtlich eilig und scheute weder Kosten noch Strapazen. Von seinem Rang her könnte er auf dem Weg von Berlin nach St. Petersburg gewesen sein.
Der Kammerherr, möglicherweise mit Gefolge, reiste mit der Extrapost. Hierzu wird auf die Erläuterungen in Feuser, Münzberg, Deutsche Vorphilatelie, 2. Auflage S. 34 ff. verwiesen. Die Extraposten fuhren offensichtlich zu beliebigen Zeiten und nach Bedarf. Die Posthalter waren verantwortlich für Vorspann und Fahrer sowie für leistungsfähige Pferde. Die Extrapost-
Der Tarif der Extrapost belief sich im vorliegenden Fall auf 10 Silbergroschen pro Pferd und Meile, wobei allerdings die preußische Meile 7532,485 m entspricht. Hinzu kam schon in damaligen Zeiten, allerdings ganz offiziell, ein Schmiergeld, eventuell auch als Bestellgeld.
1. Etappe: 27. November 1829 Rossitten-
-

Für die Entfernung von 3 ¼ Meilen waren für 4 Pferde zu zahlen 4 Reichsthaler – 1 Reichsthaler hatte 30 Silbergroschen zu je 12 Pfennigen – und 10 Silbergroschen zuzüglich 5 Silbergroschen Schmiergeld. Bei dieser Quittung, wie auch bei der folgenden, wurde ein Zuschlag von 37,5% auf das Extrapost-
2. Etappe: 27. November 1829 Nidden-
-

Auch für diese Strecke von 4 Meilen wurde eine zuschlagspflichtige Estafette benötigt. Der Zuschlag belief sich auf 2 Reichsthaler entsprechend 37,5%. Somit waren zu zahlen für die „normale“ Extrapost mit 4 Pferden 5 Reichsthaler und 10 Silbergroschen, das Schmiergeld von 5 Silbergroschen und der Estafette-
3. Etappe: 27. November 1829 Schwarzort-
-

Von Schwarzort bis Memel ging es die 3 Meilen offensichtlich leichter weiter, es wurden nur 3 Pferde benötigt. Damit stellten sich die Kosten auf 3 Reichsthaler und 5 Silbergroschen, letztere für das Schmiergeld. Möglicherweise musste ein Fährgeld für das Übersetzen von der Nehrung nach Memel direkt an den Fährmann gezahlt werden.
Warum diese Quittung auf einen Herrn Dörr ausgestellt wurde, ist nicht ersichtlich. Vielleicht gehörte er zum Gefolge des Kammerherrn. Die Kostenbelege gehören zweifellos zusammen.
4. Etappe: 29. November 1829 Memel-
-

Nach einem Erholungs-
Insgesamt beliefen sich damit die Kosten für die Extrapost von Rossitten bis Immersatt einschließlich der Zuschläge von Rossitten bis Schwarzort auf 24 Reichsthaler 23 Silbergroschen und 9 Pfennige. Kaufkraftmäßig dürfte dies heute etwa € 570,00 entsprechen. Nach einer Angabe entsprach ein Reichsthaler 1967 einer Kaufkraft von DM 14,70. Hochgerechnet mit dem Verbraucherpreisindex auf 2007 ergibt sich ein Gegenwert von ca. € 23,00 für einen Reichsthaler.
* Dieser Beleg wurde freundlicherweise von Herrn Haack zur Verfügung gestellt.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Ostge-